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VEREINS-CHRONIK


Ende der 60er Jahre tauchte in Marxheim und Schweinspoint der Gedanke einer Wiederbelebung der Musiktradition auf. Im Frühjahr 1970 ergriff dann endlich Nikolaus Fieger die Initiative. Als langjähriger Musiker konnte er 30 Jugendliche für die Blasmusik begeistern. Karl Reinhard und Anton Hüttenhofer unterstützten ihn dabei tatkräftig. So kam es im Februar 1970 zur Gründung der Jugendkapelle Marxheim-Schweinspoint.
Nachdem die ersten organisatorischen Angelegenheiten mit den Eltern und den jungen Musikern abgeklärt waren, galt es einen geeigneten Probenraum für die bevorstehende Ausbildung zu finden. Hier bot sich mitten in Marxheim die alte Grundschule (jetziges Schützenheim) an. Zugleich wurde auch von dem damaligen Ausbilder Gerhard Ohlenschläger die Orchesterbesetzung bestimmt.
Die Instrumente wurden bei der Fa. Reisser in Ulm in Auftrag gegeben. Mit der Aufnahmegebühr von 300 DM pro Musiker wurde der Grundstein für die Finanzierung gelegt. Die damals selbständigen Gemeinden Marxheim und Schweinspoint steuerten auch noch ihr Scherflein bei. (Marxheim 3.000 DM und Schweinspoint 2.000 DM)
Die ersten Unterrichtsstunden wurden in theoretischer Form abgehalten, da die bestellten Instrumente auf sich warten ließen. So waren die jungen Musiker jedes Mal gespannt, ob die Instrumente endlich eingetroffen sind. Es verging jedoch noch einige Zeit, bis die Auslieferung endlich erfolgte.
Von diesem Zeitpunkt an wurden in Marxheim und Schweinspoint erste "Spielversuche" gemacht. Die Euphorie war sehr groß! Überall bildeten sich kleine Gruppen und regelmäßig wurden in verschiedenen Jungbläserfamilien Probenabende abgehalten. Früher gab es nämlich noch nicht so viele Möglichkeiten, die Freizeit sinnvoll zu gestalten. Die Eltern waren natürlich auch sehr darauf erpicht, dass ihre Sprösslinge Fortschritte machten.
Disziplin und Ausdauer führten dann im Jahre '71 zum ersten musikalischen Auftritt. Es war eine Weihnachtsfeier im Gasthaus "Zur Brücke", die von der heimischen Bevölkerung mit Neugier besucht wurde. Hier zeigte sich, dass das fleißige Proben Früchte getragen hatte. Unter großem Beifall der Zuschauer wurde die "Weihnachtskurrende" von A. Sprösser aufgeführt. Die anschließende Christbaumversteigerung sanierte außerdem die nur dürftig gefüllte Vereinskasse.
Nach diesem großen Erfolg kamen auch die ersten kleineren Auftritte außerhalb der Gemeinde zustande. So konnte man ein Jahr später im Terminkalender schon fünf öffentliche Engagements verbuchen. Natürlich war es nichts großartiges, aber immerhin gab es neben zwei Standkonzerten in Rain, bei der Fa. Südzucker AG und bei der Blumenschau der Fa. Dehner, auch Umzüge in Donauwörth und Konstein. Das Jahr '72 wurde wieder mit einer Weihnachtsfeier im Gasthaus Gschwandner in Schweinspoint gebührend abgeschlossen.
Der erste Ausbilder legte sehr großen Wert auf konzertante und sakrale Musik. Ihm ist es auch zu verdanken, dass der junge Verein in der Anfangszeit sehr viel Lob erntete. Die Krönung dieser Ausbildung warzweifellos der 1. Rang mit Auszeichnung in der Unterstufe bei einem Wertungsspiel in Wertingen.
Die Kapelle wurde immer populärer und so konnte man im Jahre '73 schon 6 Festumzüge bei verschiedenen Anlässen mitgestalten.
Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein auch schon seine erste Uniform. Diese ungewöhnliche Zusammenstellung (blaue Strümpfe, schwarze Kniebundhose, weißes Hemd, gelbe Weste, schwarze Baskenmütze) erregte in der Öffentlichkeit großes Erstaunen. 1979 wurde diese durch eine bayerische Tracht ersetzt.
Genau 5 Jahre nach der Gründung konnte ein Unterhaltungsnachmittag in der Graisbacher Hütte gestaltet werden, der sozusagen der erste große Auftritt war.
In jedem Verein gibt es natürlich auch Tage, an denen die Moral der Mannschaft sinkt. Da sich im 6. Jahr keine Leistungssteigerung mehr abzeichnete und die Motivation am Nullpunkt war, hat sich die Vorstandschaft entschieden, ein neues Zugpferd für den Musikverein zu suchen. Die Wahl fiel auf Albert Oppel, der bei der Wemdinger Stadtkapelle schon aktiv war. Dass diese Entscheidung nur eine Übergangslösung darstellte, war allen von vornherein bekannt. Mit dem 1978 verpflichteten Musiklehrer Rainer Brauneis hat sich die moralisch tief gebeutelte Kapelle gut erholt.
Im Blick auf das anstehende Jubiläum hat man sich mit dem Gedanken getragen, die Truppe zu vergrößern. Mit einer Werbeaktion konnte man 18 Jugendliche für die Blasmusik begeistern. Von diesen 18 Anfängern sind heute noch 5 aktiv dabei. Es wurde auch von der Vorstandschaft einiges unternommen, um das gemeinsame Hobby lukrativ zu machen. So wurde 1980 z. B. eine Fahrt mit der Bundesbahn nach Würzburg organisiert.
Auch wurden die ersten Vorbereitungen für das 10-jährige Musikfest in Angriff genommen. Der Termin 17.-19. Juli 1981 rückte immer näher. Da die Monheimer Stadtkapelle unsere Gründungs-Patenkapelle war, entschloss man sich, den Freitag von den Monheimern gestalten zu lassen. Für den Samstag hatte sich der Festausschuss etwas Besonderes ausgedacht. Persönliche Kontakte von Karl Reinhard zur Südtiroler Blaskapelle Penon waren ausschlaggebend dafür, diese zu verpflichten.
Gemeinsam mit einem Fahnenschwinger und der Volkstanzgruppe aus Eppan wurde der Samstagabend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Vom Festbeginn am Freitag bis Sonntag hatte es durchgehend geregnet. Man versuchte alles, um das Fest zu retten. Samstagabend wurde Sägemehl gestreut und Bretter verlegt, damit die Besucher einigermaßen trocken das Zelt erreichen konnten. Alle eingeladenen Musikkapellen waren sonntags im Festzelt versammelt. Alle, besonders der Festausschuss, hatten gehofft, dass der Regen endlich aufhören würde. Und tatsächlich, um 14.30 Uhr fiel der letzte Tropfen. Der mühsam geplante Umzug, von vielen Festbesuchern sehnlichst erwartet, konnte doch noch durchgezogen werden. Nach dem geglückten Finale kamen verschiedene Gastkapellen zum Einsatz. Am Sonntagabend hatte der Jubelverein sein Heimspiel und spielte zünftig zum Festausklang auf. Im Nachhinein betrachtet, war das "10-jährige" trotz des schlechten Wetters doch ein großer Erfolg.
1984 gab Rainer Brauneis den Dirigentenstab an Walter Henhapl weiter, der bis heute die Kapelle leitet.
Wenn man sich die vergangenen Jahre seit dem Jubiläumsfest im Spielterminkalender ansieht, fällt einem außer den obligatorischen Auftritten wie Festumzüge, Geburtstagsständchen, Bierzeltmusik oder kirchliche Veranstaltungen doch ein Termin besonders ins Auge; ein Unterhaltungsabend in Etting bei Ingolstadt am 10. Juni 1984. Der damalige 2. Vorstand Alfred Reichardt managte diesen Spieltermin von 19 - 24 Uhr. Keiner der Musiker oder der Vorstandschaft hatte eine Ahnung, um was es sich hierbei genau handelte. Am Spielort angekommen, waren alle überrascht, weil niemand anwesend war. Genauere Recherchen vor Ort ergaben, dass die Gastgeber schon noch eintreffen würden. Um ca. 20 Uhr erschien dann tatsächlich eine vornehme Gesellschaft aus allen Herren Länder. Wie es sich zu unserem Erstaunen herausstellte, handelte es sich um Damen und Herren des "European Round Table 96 Clubs". Das ist eine Vereinigung finanziell gutsituierter Leute, die sich auch das Ziel gesetzt haben, Wohltätigkeitsveranstaltungen durchzuführen. Alle Musikkollegen waren überrascht, als unsere Gastgeber um 20 Uhr ihre Show steigen ließen. Es dauerte auch nicht lange, bis die richtige Stimmung aufkam. Unser für 20 Uhr geplanter Einsatz verzögerte sich auf 23.30 Uhr. Selbstverständlich war die Stimmung schon längst am Höhepunkt, als unser Verein loslegte. Das ganze Intermezzo dauerte für uns bis ca. 3.30 Uhr. Dieser einmalige Abend bleibt für alle beteiligten Musiker ein unvergessliches Erlebnis.
Die Festvorbereitungen für unser 25-jähriges Gründungsfest haben bereits im Herbst 1993 begonnen. Eine der ersten Aufgaben war es, einen Festausschuss zu gründen. Die Suche nach einem geeigneten Festplatz, einem Festwirt und einer Brauerei konnte schon im Frühjahr 1994 erfolgreich beendet werden. Im Herbst '94 wurde auch noch ein aktuelles Foto der ganzen Kapelle aufgenommen.
Zur gleichen Zeit hat sich die Vorstandschaft erneut Gedanken über die Jugendausbildung gemacht. Da wir mittlerweile eine geeignete Kraft aus unseren eigenen Reihen haben, wird sich die Ausbildung in einem neuen Rahmen zeigen. Mit einer Anmeldung von 23 Jugendlichen haben wir am 3. Februar 1995 die theoretische Ausbildung begonnen.
Für das bevorstehende Musikfest wünschen wir uns ein gutes Gelingen und vor allem gutes Wetter.
Im Februar 1995
Georg Meßner jun